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Mein erstes Homestudio

Das erste Homestudio:


Vorwort:

Aufgrund meiner Tätigkeit im Tonstudio-Forum habe ich festgestellt, dass sich die häufigsten Fragen auf die Einrichtung eines eigenen Tonstudios beziehen. Daher dachte ich mir, dass es vielleicht für viele hilfreich sein könnte, einen kleinen Guide an die Hand zu bekommen. Natürlich stellt sich auch hier das Problem, dass man die Frage bezüglich einer Erstausstattung nicht so einfach und vor allen Dingen allgemein beantworten kann. Jeder hat individuelle Ansprüche an sein Equipment und somit ist es dementsprechend schwierig allgemeine Empfehlungen auszusprechen.

Weiterhin gehe ich bei meinem Artikel ausschließlich von der Einrichtung eines digitalen und rechnerbasiertem Studio aus. Ja, da gibt es Unterschiede ;).....

 

1. Schritt: Die Idee und Planung

Jeder, der sich mit Tontechnik beschäftigt oder sich dafür interessiert, bekommt irgendwann den unbändigen Wunsch nach einem eigenem kleinem Tonstudio. Oftmals wird dann in einschlägigen Foren geschaut, was andere haben und danach wird ohne Sinn und Verstand eingekauft. Am Ende ist das Geheule dann groß, wenn man zwar ne Menge an Equipment hat, aber es trotzdem nicht so klingt, wie man es gerne hätte.

Daher versuche ich Euch zumindest grundlegende Tipps zu geben, um dieses Debakel zu vermeiden. Je nachdem ist das ja auch mit diversen und auch höheren Ausgaben verbunden.

Als Erstes muss man sich über drei Fragen grundlegende Gedanken machen, um etwaige Fehlinvestitionen zu vermeiden:

1.) Was genau will ich machen mit dem Studio?

Geht es nur darum etwas rumzuexperimentieren oder will ich es richtig krachen lassen mit allem drum und dran? Soll das Studio Recordingmöglichkeiten haben oder geht es, wie in meinem Fall darum, nur zu mischen und zu mastern? Wenn Recording, wie viel Spuren werden benötigt? Wie viel Mic-/Lineeingänge und Ausgänge werden benötigt? etc, etc.

Im Klartext bedeutet dies, dass Ihr Euch erst einmal dedizierte Gedanken darüber machen müsst, was Ihr wollt und wo Ihr mal hin möchtet! Zu berücksichtigen ist hierbei, dass es erstmal um die Grundausstattung geht. Erweitern kann man sein Studio in der Regel jederzeit!

2.) Was habe ich für einen Anspruch?

Ein sehr, sehr wichtiger Punkt! Hiernach richtet sich nämlich die Qualität des Equipments. Es gilt hierbei zu bedenken, dass ich für ein Homestudio durchaus nur 1.000,- € bezahlen kann, es aber auch null Problem ist, 50.000,- € zu investieren. Das ein Studio mit einem professionellen Anspruch gegenüber einem Studio mit Hobbyambitionen wesentlich höher zu Buche schlägt, dürfte hier jedem klar sein.

Wichtig ist allerdings auch die Frage, ob Du Deinem Anspruch mit Deinen momentan verfügbaren Skills auch gerecht werden kannst? Jemand der gerade noch am Anfang steht wird auch mit dem besten Equipment nicht in der Lage sein, einen professionellen Mix abzuliefern!

3.) Welches Budget steht mir zur Verfügung?

Hier letztendlich der wesentliche Aspekt, denn ohne Moos nix los! Leider müssen wir unsere Wünsche dem zur Verfügung stehendem Kapital anpassen. Grundsätzlich möchte ich hier jedoch den Leitsatz anbringen: "Wer billig kauft, kauft zweimal!". Hier besteht also die Herausforderung darin, das Optimum zwischen Preis und Leistung zu ermitteln.

Klingt zwar traurig, ist aber leider so! Somit müsst Ihr Euch intensiv damit auseinandersetzen, wie Ihr Euer Budget auf das Equipment am sinnvollsten aufteilt.

 

So, nachdem nun die grundlegenden Fragen geklärt wurden, geht es darum, die entsprechenden Räumlichkeiten für das Studio auszuwählen. Ist das Studio in Privaträumen, sprich, der eigenen Wohnung geplant, so denkt bitte auch an Eure Nachbarn! Gerade wenn es darum geht, dass in Eurem Studio auch aufgenommen wird. So ein Schlagzeug in ner Wohnung kann nämlich schon für reichlich Alarm sorgen!!!

 

2. Schritt: Die Räumlichkeiten

Grundsätzlich ist die Auswahl der Räumlichkeiten und vor allen Dingen deren akustische Optimierung der kostenintensivste Punkt. Gerade Anfänger denken über diesen Punkt wenig bis gar nicht nach und lassen den wichtigen Aspekt der Raumakustik außen vor!

Dabei ist die Akustik eines Raumes essentiell für das Betreiben eines Tonstudios! Mir nutzt nämlich das beste Equipment nichts, wenn ich nachher in einem schalltoten Raum sitze oder die Wände soviel Frequenzen reflektieren, dass mir die Ohren fliegen gehen!

Noch heute sieht man zahlreiche Homestudios, die mit den guten alten Eierkartons beklebt sind, weil irgendein Fallobst vor Jahrzehnten mal meinte, dass das was bringen würde. Dabei sollte heute eigentlich jeder wissen, dass dies ein Ammenmärchen mit null Wahrheitsgehalt ist!

Die akustische Optimierung der Räumlichkeiten ist somit leider sehr kostenintensiv und sollte damit von einem Profi gemacht werden. Es hilft nämlich nichts, jetzt für viel Geld teure Dämmmaterialen, Stellwände, Absorber, etc. auszugeben, wenn man dann nicht weiß, wo man das ganze Zeug sinnvoll anbringt bzw. aufstellt.

Leider bin ich für akustische Fragen nicht der richtige Ansprechpartner, da ich mich nie groß damit auseinander gesetzt habe. Schließlich ist das Themengebiet der Akustik extrem umfangreich und hat mich auch nie so wirklich interessiert. Macht ja nix, dafür gibt es genug Leute, deren Beruf es ist Studios akustisch zu optimieren und zu bauen.

Da aber auch ich keinen Goldesel besitze, greife ich hier immer auf die Hilfe meiner Kollegen bei www.tonstudio-forum.de zurück. Das sind absolute Profis, die das bereits seit Jahrzehnten hauptberuflich machen! Ich empfehle daher jedem, sich vorher Rat und Hilfe zu holen. Die Jungs sagen Dir anhand einer Raumzeichnung oder Fotos, wo Du was am Besten positionierst, bewerten Raummessungen, etc. Also, einfach mal nachfragen. Die Kollegen sind sehr hilfsbereit und freundlich.

 

3. Schritt: Es geht los!

Nachdem wir uns die Studioräumlichkeiten nett zurecht gemacht haben, geht es nun endlich los. Einkaufen!

Hierbei möchte ich Schritt für Schritt gehen und mich von unten nach oben vor arbeiten. Weiterhin möchte ich nochmals darauf hinweisen, dass meine Empfehlungen nicht der Weisheit letzter Schluss sind, sondern lediglich auf meinen persönlichen Erfahrungen und meinem persönlichem Geschmack basieren! Ich übernehme also keinerlei Haftung! :D

Der Arbeitsplatz

Ich halte diesen Punkt für sehr wichtig, da wir schließlich die nächsten Stunden, Wochen, Monate, Jahre hier verbringen werden. Der Arbeitsplatz sollte also so eingerichtet sein, dass Du dort problemlos mehrere Stunden am Stück ermüdungsfrei verbringen kannst. Außerdem sollte das nähere Umfeld nach eigenem Geschmack entspannend eingerichtet sein. Man muss sich einfach wohlfühlen! Schließlich sind wir nicht in einer Legebatterie...

Letztendlich musst Du also erstmal dafür sorgen, dass Du eine vernünftige Arbeitsfläche und eine bequeme Sitzgelegenheit hast. Hier ist die Auswahlpallette schier unendlich. Nehme ich einen Schreibtisch von IKEA oder muss es gleich ein namhaftes Studiomöbel sein?

Als ich mein Studio 2013 eingerichtet habe, setzte ich mich hier intensiv auseinander. Bei mir kommt halt auch noch die Schwierigkeit von 1,95 m Körpergröße hinzu und jeder weiß ja mittlerweile, dass Möbel für DIN-Größen gebaut werden.

Nach langem hin und her habe ich mich für den Studiotisch eines großen Musikversandhauses entschieden. Hierbei handelt es sich um einen Massivholztisch, der über ein seitliches 19" Rack verfügt, um auch externe Geräte einbinden zu können. Weiterhin verfügt er über eine ausziehbare Lade für Tastatur oder Keyboard. Für damals ca. 350,- € ein echter Schnapper und äußerst stabil! Als Sitzgelegenheit habe ich mich dann für einen hochwertigen Bürostuhl eines schwedischen Einrichtungshauses entschieden. Dieser schlug dann nochmal mit 149,- € zu Buche.

Bei den Monitorständern habe ich dann leider lange rumgehadert. Schließlich sollten sie meine zukünftigen "Ohren" tragen. Die meisten Metallkonstruktionen, die ich mir angeschaut habe, waren zwar günstig, aber machten auch einen dementsprechenden Eindruck. Hier habe ich mich dann schweren Herzens dann doch für eine professionelle Lösung von Zaor aus Kirschholz entschieden. Die sind dann aber halt für die Ewigkeit.

Natürlich funktioniert letztendlich auch ein normaler Schreibtisch und irgendeine Sitzgelegenheit, aber ich gebe zu bedenken, dass das lange Arbeiten an einem Platz nicht unterschätzt werden sollte! Es nutzt ja nichts, wenn Du 8 Stunden in Deinem Studio gearbeitet hast und dann 1 Woche wegen Rücken flach liegst.

So, die grundlegenden Sachen für den Arbeitsplatz hätten wir nun zusammen. Nun geht es also zum nächsten Punkt, der Technik!

 

Der Rechner

Da es sich um ein rechnerbasiertes Tonstudio handelt, bildet der Rechner quasi das technische Hirn. Somit ist dieser auch durchaus eine Investition, wo es sich durchaus lohnt, ein paar Euros mehr einzuplanen. Nichts ist im Studio ärgerlicher als Performanceschwierigkeiten und hohe Latenzen. Beides kann sogar letztendlich ein sinnvolles Arbeiten verhindern.

Ob man sich bei der Wahl des Rechners für einen Mac oder Windowssystem entscheidet, ist letztendlich reine Geschmackssache!!! Objektive Messergebnisse, dass ein System besser ist als das andere, gibt es nicht. Somit ist es also eine reine glaubens- und kostentechnische Frage. Ich persönlich habe mich für ein Windowssystem entschieden. Liegt halt daran, dass ich seit über 20 Jahren mit diesen Systemen arbeite und bisher keinerlei nennenswerte Probleme damit hatte.

 

Bei der Rechnerwahl ist allerdings meiner Meinung nach auf folgende Punkte zu achten:

 

Mainboard & Prozessor

Das Herzstück des Rechners! Hier hat es sich bewährt auf ein Markenmainboard mit Intelsockel  zurück zu greifen. Dies verhindert in der Regel eine Menge eine Menge Ärger beim Einrichten. Außerdem wollen wir ja eine gute Performance erreichen. Mit AMD habe ich persönlich und einige meiner Bekannten nicht so gute Erfahrungen gesammelt. Letztendlich haben alle zu Intel gewechselt. Bei der Wahl des Motherboards greife ich seit Jahrzehnten auf Produkte aus dem Hause ASUS zurück. Auch hier bisher keinerlei Probleme mit gehabt!

 

Arbeitsspeicher

Hier bitte nicht sparen! Je mehr RAM, desto besser die Performance. Grundsätzlich reichen 8 GB RAM schon aus, wer aber viel mit Synthys und Effekten arbeitet, sollte aber  lieber 16 GB einbauen.

 

Grafikkarte

Uninteressant!!! Wir wollen schließlich mit dem Rechner arbeiten und nicht zocken. Somit ist die Grafikkarte das uninteressanteste Bauteil. Ich verwende die Onboardkarte. Hat keine Lüfter, die unangenehme Nebengeräusche verursachen und hat zwei Monitorausgänge. Reicht!

 

Festplatten

Hier ist es wichtig eine Platte zu nehmen, die über ausreichend Speicherplatz verfügt. Auch die Buffergröße ist in Bezug auf die Performance ein wichtiger Faktor. 16 MB Buffer sollte die Platte schon haben. Weiterhin würde ich hier auch auf zuverlässige Markenprodukte zurück greifen. So ein Plattencrash kann nämlich schon eine sehr unangenehme Angelegenheit sein.

SSD-Platten steigern dann nochmal die Performance in Hinsicht auf das Starten von Programmen und VSTs. Ob man sich den Luxus gönnt, muss jeder für sich selbst entscheiden.

 

Soundkarte

Da wir ein ASIO-taugliches Soundinterface verwenden werden (siehe auch "Das Soundinterface"), ist dieses Bauteil auch uninteressant. Onboardsoundkarte reicht also aus. Wird eh im BIOS deaktiviert!

 

Monitor

Da wir eine nicht unbeträchtliche Zeit vor dem Ding sitzen werden und auch gleichzeitig mehrere Programme und Applikationen laufen haben, sollte hier die Wahl nicht zu klein ausfallen. Ich würde ein Minimum von 23" vorschlagen. Je größer, je angenehmer! Ich persönlich verwende einen 27" Monitor, werde mir aber in Kürze einen zweiten 22" Monitor dazu holen. Dann muss ich in der DAW nicht immer zwischen Spurenansicht und Mixer hin und her switchen.

 

Das Soundinterface

Das Herzstück unseres Studios! Daher sollte hier entsprechend Zeit und Sorgfalt aufgewendet werden. Hier lohnt es sich durchaus auch, den ein oder anderen Taler mehr zu investieren, denn das Soundinterface trägt im Wesentlich zur Qualität unserer Produktionen bei!

Zuerst einmal müssen wir folgende Fragen klären:

1)     Welchen Qualitätsanspruch habe ich? Eher Amateur oder Profi?

2)     USB, Fireface oder PCIe? PCIe hat die geringsten Latenzen und wir direkt im Rechner verbaut. USB    ist der gängige Standard und ist immer weiter auf dem Vormarsch. Fireface ist natürlich schneller als USB aber auch ein wenig fehlerbehaftet. Nach der aktuellen Marktlage scheint sich Fireface aber nicht durchzusetzen.

3)     Wie viele Mikrofoneingänge brauche ich?

4)     Wie hoch ist mein Budget?

Der Markt an Soundinterfaces ist schier unendlich. Um so sorgfältiger sollte hier die Auswahl getroffen werden! In der Regel sollten wir hier mit einer Mindestinvestition von etwa 150,- € rechnen. Dafür erhalten wir durchaus bereits ein Interface, mit dem man problemlos auf Amateurniveau arbeiten kann! Ich persönlich würde hier Interfaces von FOCUSRITE, STEINBERG oder PRESONUS bevorzugen, da hier ein sehr gutes Preis/Leistungsverhältnis vorherrscht.

Geht es dann in die professionellere Richtung, empfehle ich RME, MOTU, APOGEE oder UNIVERSAL AUDIO. Da muss man dann aber schon mit einer Investition von etwa 400,- € aufwärts rechnen. Dafür wird man dann aber auch mit schier göttlichem Sound und qualitativ hochwertiger Hardware belohnt! Außerdem ist natürlich der Support und die Treiberaktualität wesentlich besser, als bei den "Massenprodukten" (ja ich weiß, das Andere sind auch Massenprodukte, aber Ihr wisst schon, was ich meine ;) ).

Bei der Auswahl des Soundinterfaces ist es durchaus ratsam, in ein Musikgeschäft seiner Wahl zu gehen und sich das ein oder andere Interface mal live anzuhören.

 

Die Studiomonitore

Ähnlich wie bei den Soundinterfaces ist auch hier die Auswahl erschlagend! Leider handelt es sich hierbei auch um mit den kostenintensivsten Punkt! Soundinterface und Monitore bilden eine Einheit und somit bestehen da auch diverse Abhängigkeiten. Grob gesagt: Ein gutes Soundinterface benötigt auch gute Monitore und umgekehrt! Es hilft also nicht, wenn wir 1000,- € in ein Soundinterface investieren und dann nur 500,- € in die Monitore. Das ist letztendlich Perlen vor die Säue geworfen! Somit macht es Sinn, das Budget für Soundinterface und Monitore zusammen zu werfen und dann das Gesamtbudget entsprechend gleich aufzuteilen.

Wichtig ist darauf zu achten, dass es sich um Studiomonitore und nicht um Hi-Fi-Boxen handelt! Hintergrund ist der, dass Hi-Fi-Boxen in der Regel einen dynamischen Frequenzgang hat, sprich den Sound beeinflusst. Für zu Hause zum entspannten Musik hören durchaus sinnvoll, im Studio jedoch sinnfrei, da wir ja den unverfälschten, puren Originalsound hören wollen. Somit benötigen wir Boxen mit einem linearen Frequenzgang.

Da Homestudios normalerweise räumlich sehr begrenzt sind, engt sich unsere Auswahl auf Nahfeldmonitore ein. Je nach Raumgröße empfehlen sich hier Monitore mit 5"-8" Kalotten.

Da Hören eine weitestgehend subjektive Empfindung ist, kann man hier auch schlecht Empfehlungen aussprechen. Bedeutet, dass wir auch hier nur unseren eigenen Ohren trauen können und die Monitore somit auf jeden Fall probe hören sollten!!! Hierfür eignet sich eine so genannte Referenz-CD, die man sich vorher zusammen stellt. Das ist eigentlich ganz einfach. Man erstellt sich eine CD mit den Songs zusammen, die für einen persönlich am Besten klingen. Mit dieser CD macht man dann eine Shoppingtour durch die Musikhäuser und hört sich diese auf den Monitoren seiner Auswahl an.

Meine persönlichen Favoriten sind hier Produkte der Firmen ADAM, NEUMANN, GENELEC, FOCAL, QUESTED und GAITHAIN.

Wenn das Budget es hergibt, gilt es zu überlegen, ein weiteres Paar Monitore für einen Gegenvergleich anzuschaffen. Ich selber beispielsweise prüfe jeden Mix auf mehreren Ausgabegeräten um zu schauen, wie der Mix auf unterschiedlichen Medien klingt. Man kann ja nicht davon ausgehen, dass jeder Enduser eine High-End-Anlage zu Hause stehen hat. Somit prüfe ich unter anderem auch, wie ein Mix auf einem Küchenradio oder Handy klingt. Handys sind mittlerweile halt auch das Abspielmedium Nummer Eins und es macht keinen Sinn einen Mix zu erstellen, der auf den Studiomonitoren 1a klingt und auf dem Handy gehen einem die Ohren fliegen!

Der Vorteil bei diesem Verfahren ist, dass eigentlich jeder Mix, der auf "einfachen" Lautsprechern gut klingt, dies auch auf einer High-End-Anlage tut. Umgekehrt gilt dieses Verfahren aber leider nicht.

Zu meiner Lehrzeit hatte daher jedes große Studio ein Paar AURATONE C5 rumstehen. Das ist ein einfacher Lautsprecherwürfel mit einer Kalotte und einem knallharten puren Sound gewesen. Was besseres für diesen Vergleich gab und gibt es nicht. Leider gibt es die Firma AURATONE aber nicht mehr. Somit hat man nur noch die Möglichkeit im Internet Gebrauchte zu kaufen oder auf einen "Remake" zurückzugreifen.

Ich persönlich habe mich hier für einen 1:1 Nachbau der Firma AVANTONE entschieden. Die Namensähnlichkeit ist durchaus berechtigt und auch gewollt, da es sich hier um einen qualitativ  astreinen Nachbau der guten C5 handelt. Klar, nicht ganz günstig, aber ich möchte diese Boxen heute nicht mehr missen! Letztendlich entscheidet aber auch hier das Budget. Günstigere Nachbauten gibt es beispielsweise von der Firma BEHRINGER.

Eine weitere Auswahl, die wir treffen müssen ist, ob wir ein aktives oder passives System anschaffen wollen. Ich persönlich bevorzuge hier aktive Systeme, da hier Verstärker und Box 100%ig aufeinander abgestimmt sind. Außerdem finde ich es einfach komfortabler und natürlich auch platzsparender.

 

Kopfhörer

Ähnlich wie bei den Studiomonitoren benötigen wir ein Exemplar, welches einen linearen Frequenzgang wiedergibt. Hi-Fi-Kopfhörer sind hier also ungeeignet! Weiterhin sollte der Kopfhörer ein geschlossenes System haben um bei Aufnahmen beispielsweise unangenehme Nebengeräusche zu vermeiden.

Als Klassiker ist hier zum Beispiel der BEYERDYNAMICS DT 770 PRO zu nennen. Ein Kopfhörer, der sich seit Generationen bewährt hat und in wirklich jedem Studio zu finden ist. Und für etwa 150,- € auch noch günstig. Selbst Ersatzteile sind kein Problem, da man jedes Bauteil nachbestellen kann.

 

Verkabelung

Bei der Auswahl der Kabel ist darauf zu achten, dass man qualitativ hochwertige Kabel mit guten Steckern (bsp. NEUTRIK) verwendet. Kabel sind nämlich die größte Schwachstelle in einem Studio, was das Verursachen von Nebengeräuschen und Ausfällen angeht! Und nichts ist nerviger, als mitten in einer Produktion nach einem fehlerhaften Kabel oder Stecker zu suchen....

Hier also ruhig auf die teuren Kabel zurückgreifen! Es müssen nicht gleich welche von VOVOX sein, aber halt auch keine Billiganbieter.

Für die Fraktion, die sich Ihre Kabel selber lötet, empfehle ich hier Kabel der Firma Belden. Eine amerikanische Firma, die Kabel für das US Militär herstellt. Sprich, da kannst Du mit 'nem Panzer drüber fahren und die brechen nicht. Stecker würde ich dann von NEUTRIK nehmen. Sind stabil und haben sich seit Jahrzehnten bewährt.

 

DAW

Die DAW (Digital Audio Workstation) bildet quasi das Kontrollzentrum unseres Studios. Die gängigen DAWs können im Prinzip alle das Gleiche und unterscheiden sich im Groben in der Bedienung und im Workflow.

Daher ist es auch hier schwierig eine entsprechende Empfehlung auszusprechen, da jeder einen individuellen Workflow hat. Zum Glück kann man sich aber von den großen Herstellern eine Test- oder Trialversion der aktuellen DAW runterladen. Somit kann man dann in Ruhe testen, mit welchem Produkt man am besten klar kommt.

Ich persönlich arbeite mit CUBASE und bin auch sehr zufrieden damit. Zählt außerdem zu den Größten und Bekanntesten und ist somit auch in jedem großen Studio vertreten. Die Alternative zu CUBASE wäre PRO TOOLS, aber letztendlich sind beide DAWs gleichwertig und es entscheidet der Geschmack und die persönlichen Vorlieben.

Für den kleinen Geldbeutel kann ich die DAW REAPER empfehlen! Kostenlose Trialversion und die Vollversion liegt dann bei etwa 60$. Eine günstige DAW mit allen wichtigen Features!

 

Sonstiges

So, nun haben wir also erstes kleines eigenes Homestudio! Dieses lässt sich nun natürlich nach Belieben erweitern. Und glaubt mir, das wird es! :D

Das Thema Mikrofone habe ich bewusst ausgelassen, da man hierüber Bücher schreiben könnte (und es wurden ja auch bereits welche darüber geschrieben). Daher kann ich hier nur empfehlen sich zu informieren, probehören und sich mit anderen austauschen! Da ich selber mich auch auf das Mixing und Mastering spezialisiert habe, kann ich jetzt auch nicht so viel hilfreiches zum Thema Mikrofone beitragen.

Weiterhin kommt nach relativ kurzer Zeit der Wunsch, sein Repertoire an VSTs und Plug Ins zu erweitern. Hierzu kann ich nur anraten, sich erstmal mit den mitgelieferten Produkten seiner DAW auseinander zu setzen. Es ist durchaus möglich auch mit den Standard-Plug Ins gute Mixe anzufertigen. Und es nützt nichts einen Haufen Kohle in Plug Ins zu investieren, wenn man letztendlich nicht vernünftig damit umgehen kann! Also erstmal üben, üben, üben.....und dann mal weitersehen!

 

In diesem Sinne wünsche Ich Euch nun viel Spaß in Eurem neuen Studio!

Wenn Ihr noch Fragen habt, könnt Ihr mich gerne anschreiben.

 

Gruß,

Marcus

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